Der Neusiedler See und die umgebende Landschaft sind eine natürliche geographische Einheit. Diese einzigartige Landschaft bildete sich über Jahrtausende im Wechselspiel zwischen Natur und Kultur.
Der Neusiedler See ist der westlichste Steppensee Eurasiens. Die Wassertiefe beträgt lediglich rund 1,5 m, die Fläche rund 320 km˛, über die Hälfte davon nimmt der Schilfgürtel ein. Die Wasserzufuhr erfolgt zu 80% durch Niederschläge und nur zu einem geringen Anteil über die Zuflüsse Wulka und Rákos-Bach.
Das Welterbe liegt zwischen den Alpen und der Ungarische Tiefebene. Innerhalb eines relativ kleinen Gebietes finden sich ganz unterschiedliche Pflanzen- und Tierarten aus beiden Großlandschaften. Extrembeispiele für die Biodiversität der Region sind die Südrussische Tarantel und der Fieberklee.
Begünstigt vom Klima und den natürlichen Ressourcen des Neusiedler Sees sowie durch die Lage an der Bernsteinstraße, einem der ältesten europäischen Handelswege, ist die Region Neusiedler See ein uralter Siedlungsraum, der ab der Eisenzeit bereits dicht bevölkert war. Nach den Kelten und Römern, Quaden, Sueben, Hunnen, Ostgoten und Langobarden trafen im 7. Jahrhundert n. Chr. neue Siedler ein, die Onoguren genannt wurden, wovon sich die Bezeichnung „Ungarn“ ableitet.
Die einzigartige Kulturlandschaft Ferto/Neusiedler See liegt an der Schnittstelle mehrerer Kultur- und Sprachräume, Klimazonen sowie Fauna- und Floraregionen und repräsentiert Kultur und Natur der Region in einem umfassenden, grenzüberschreitenden Sinn. Heute ist diese wertvolle Kulturlandschaft ein grüner Kern der europäischen Großstadtregion Wien – Bratislava – Gyor. Eisenstadt und Sopron sind die städtischen Tore zum Welterbe und über ihre Kulturschätze eng mit dem Welterbegebiet verknüpft.
Als Welterbe hat die Kulturlandschaft Ferto/Neusiedler See weltweite Bedeutung. In erster Linie ist die nachhaltige Entwicklung unseres Lebensraumes jedoch eine Initiative für die hier lebende Bevölkerung und unsere Gäste. Eine verstärkte Bewusstseinsbildung für unser Welterbe ist eine zentrale Aufgabe des Welterbevereins.
Charakteristisch für die Region Neusiedler See ist die Abfolge der Kulturlandschaftstypen: vom Seewinkel über den See und den Schilfgürtel mit seinem Labyrinth an Kanälen, die Seewiesenzone, die vorwiegend landwirtschaftlich genutzten ebenen Lagen, wo sich die meisten Ortschaften befinden und die strukturreiche Weinlandschaft bis hin zu den bewaldeten Kuppen des Leithagebirges und des Ruster Hügellandes.
Die Weinkultur ist historisches Erbe und gleichzeitig Zukunftspotenzial der Welterbe Kulturlandschaft. Der Aufschwung der Weinwirtschaft seit dem 16. Jh. führte zur Errichtung prunkvoller Bürgerhäuser in den Seegemeinden, beispielsweise in Rust und Purbach. Heute zählen diese Gebäude zu einem attraktiven Ortsbild und sind Anziehungspunkte für Touristen. Im Ruster Seehof hat die Österreichische Weinakademie ihren Sitz. Sie ist Zentrum eines zunehmend internationalen Wissens- und Erfahrungsaustausches.
In der Seelandschaft bilden Natur und Landschaftsbild eine geschlossene Einheit, in die klar abgegrenzte, kompakte Ortschaften eingebettet sind. Weil das flache Land in der Vergangenheit jedem feindlichen Angriff offen preisgegeben war, mussten die Häuser eng zusammenrücken. Auch das heutige Siedlungsbild lässt noch gut das Verteidigungssystem solcher Orte erkennen: dicht aneinander gereihte, in die Tiefe entwickelte, manchmal gestaffelte Wohn- und Wirtschaftsgebäude der Anger- und Straßendörfer.
